Genug gedreht: Das Ende der Zeitumstellung naht

Trends

|

Geht es nach der Mehrheit der Europäer, ist die Zeitumstellung bald Geschichte. Immerhin 80 Prozent von Ihnen finden das alljährliche Vor und Zurück „überdreht“; sie wollen lieber die ewige Sommerzeit. Grund genug, anlässlich des Endes der diesjährigen Sommerzeit Geschichte, Gegenwart und nahendes Ende des kollektiven Uhrenstellens zu beleuchten.

Die Theorie: Wer war da seiner Zeit voraus?

Ein US-Amerikaner. Der Naturwissenschaftler und Staatsmann Benjamin Franklin weilte kurz vor der Französischen Revolution in Paris und sah das dortige Nachtleben kritisch. Sowohl als Puritaner – als auch als eine Art früher Umweltaktivist. Die ständigen Aktivitäten nach Einbruch der Dunkelheit, so Franklin, würden zu einem erhöhten Bedarf an künstlichem Licht führen. Die Idee, die Tageszeiten nach vorne zu verschieben, war somit geboren.

Die Praxis: Wer hat zuerst an der Uhr gedreht?

Einige europäische Staaten, und zwar im Ersten Weltkrieg. Damals wollte man, ebenso wie später im Zweiten Weltkrieg, Geld sparen, das man für die Kriegswirtschaft brauchte. Jeweils nach Kriegsende war es dann wieder vorbei mit der Sommerzeit – bis dann in den 1970er Jahren die Energiekrise Europa hart traf. Auch hier lautete die Reaktion: Sparen mit Hilfe der sommerlichen Zeitverschiebung. Den Anfang machte 1976 Frankreich; in Luxemburg wurde die Uhr erstmals im Jahr 1977 auf Sommerzeit umgestellt.

Das Resultat: Spart das „Zeit-Spiel“ Energie?

Nicht wirklich. Mittlerweile ist sogar das Gegenteil bewiesen. Was Heizenergie angeht, so waren bereits vom Start weg vor allem der Anfang und das Ende der Sommerzeit eher teurer. Denn dann ist es morgens noch kühl, und der Bedarf nach künstlicher Wärme bereits bei einer Stunde Zeitunterschied deutlich höher. Man könnte entgegenhalten, dass dies durch einen geringeren Energieaufwand bei der Lichterzeugung am (helleren) Abend kompensiert wird. Dem ist aber nicht (mehr) so, einfach weil sich in den letzten Jahrzehnten die Lichttechnologie mit Blick auf Ökoeffizienz signifikant weiterentwickelt hat, so dass hier auch bei einem früheren Einbruch der Dunkelheit deutlich weniger Energiebedarf bestehen würde als früher. Unter dem Strich bedeutet dies alles: Die Winterzeit auch im Sommer wäre deutlich kosten- und umweltfreundlicher.

Die Wirkung: Und wie tickt unsere innere Uhr?

Ziemlich nervös, zumindest direkt nach der jährlichen Umstellung auf die Sommerzeit. Die oft zitierte „fehlende“ Stunde führt laut Studien dazu, dass sich Menschen jeden Alters auch noch Tage nach der Zeitumstellung mitunter sehr müde fühlen. Offenbar liegt sogar das Verkehrsunfallrisiko in der Woche nach der Zeitumstellung um fast ein Drittel höher. Als Gründe dafür werden Schlafmangel und eine daraus resultierende erheblich niedrigere Aufmerksamkeit vieler Verkehrsteilnehmer genannt.

Die neue Zeit: Dauerhaft Sommer oder Winter?

Geht es nach den Europäern ist die Sache klar: Bei einer Online-Befragung im vergangenen Jahr haben sich immerhin 80 Prozent der Befragten für eine dauerhafte ….. Sommerzeit entschieden. Nun muss allerdings zunächst einmal auf EU-Ebene generell der Zeitpunkt für das Ende der jährlich zweimaligen Zeitumstellung beschlossen werden – ehe dann die nationalen Parlamente entscheiden, ob im jeweiligen Mitgliedsland dauerhaft Sommer- oder Winterzeit herrschen soll.

Evaluez cet article.

Menu
Secured By miniOrange